Entwicklungspolitische Bildung, Beratung und Globales Lernen

 

Im Rahmen eines Einsatzes mit dem Senior Expert Service (SES) konnte ich in Lesotho gemeinsam mit TED Maseru an der Weiterentwicklung eines Artenschutzprojekts zum Erhalt des bedrohten Fischart Maloti Minnow mitwirken. Im Mittelpunkt standen die Analyse der aktuellen Situation, die Abstimmung mit relevanten Akteuren, die technische Bewertung eines geplanten Teichbaus sowie die Vorbereitung weiterer sinnvoller Projektschritte.

Wissenstransfer, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung

Im November und Dezember 2025 war ich im Rahmen eines Einsatzes des Senior Expert Service (SES) in Lesotho tätig. Der Einsatz fand in Zusammenarbeit mit TED Maseru statt und war Teil eines Projekts zur Stärkung der Schutzmaßnahmen für den bedrohten Maloti Minnow, einer endemischen Fischart Lesothos. Ziel war es, lokale Aktivitäten fachlich zu unterstützen, den aktuellen Stand zu bewerten und gemeinsam tragfähige nächste Schritte für Naturschutz und praktische Umsetzung zu entwickeln.

Zusammenarbeit mit TED Maseru und SES Bonn

Mein lokaler Projektpartner war TED – Technologies for Economic Development in Maseru, eine Organisation, die sich für nachhaltige Entwicklung, technische Bildung und praxisorientierte Lösungen in Lesotho engagiert. TED arbeitet an der Schnittstelle von Technologie, Ausbildung und Gemeinwesenentwicklung und bringt dabei lokale Bedarfe, praktische Umsetzung und institutionelle Entwicklung zusammen.

Der Einsatz wurde über den Senior Expert Service (SES) in Bonn ermöglicht. Der SES ist eine deutsche Entsendeorganisation für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand oder in beruflichen Auszeiten und unterstützt seit vielen Jahren internationale Projekte durch praxisnahen Know-how-Transfer.

Projektpartner:

Worum es in dem Projekt in Lesotho ging

Im Zentrum des Einsatzes stand die Frage, wie die Schutzbemühungen für den Maloti Minnow weiterentwickelt werden können. Ursprünglich waren mehrere praktische und qualifizierende Maßnahmen vorgesehen, darunter die Analyse der aktuellen Situation, die Unterstützung beim Bau eines neuen Teiches, Schulungen zur Fischzucht sowie die Umsetzung des Einsatzes im Tandem mit einem Junior-Experten. Im Projektverlauf zeigte sich jedoch, dass die Ziele an die tatsächlichen Bedingungen vor Ort angepasst werden mussten. Deshalb lag der Schwerpunkt schließlich auf Situationsanalyse, Vernetzung relevanter Akteure, technischer Machbarkeitsbewertung und der Vorbereitung nächster Umsetzungsschritte.

Analyse der aktuellen Situation vor Ort

Ein wichtiger Teil meines Einsatzes war die Bewertung der Ausgangslage. Dazu gehörten Gespräche mit Vertretern staatlicher Stellen, insbesondere mit dem Department of Fisheries im Landwirtschaftsbereich, ebenso wie Vor-Ort-Termine, fachliche Abstimmungen und Feldbesuche. Dabei wurde deutlich, dass der Fischereisektor in Lesotho nur über sehr begrenzte personelle Ressourcen verfügt. Gleichzeitig besteht aber ein klares Interesse, Naturschutz, Forschung, Umweltbildung und mögliche Zukunftsperspektiven miteinander zu verbinden.

Auch der Austausch mit parkbezogenen Akteuren, lokalen Ansprechpartnern und Mitgliedern der Bevölkerung war sehr wertvoll. Diese Gespräche halfen dabei, die natürlichen Bedingungen, die institutionellen Rahmenbedingungen und die Herausforderungen für ein solches Schutzprojekt besser einzuordnen. Die Analyse zeigte: Das Projekt ist grundsätzlich sinnvoll und machbar, braucht aber belastbare Koordination, realistische Planung und eine enge Abstimmung mit weiteren Stakeholdern.

Unterstützung bei der Planung eines neuen Teiches

Ein weiterer Schwerpunkt war die vorbereitende Begleitung eines geplanten neuen Teiches. Vor Ort wurde geprüft, ob die Fläche grundsätzlich geeignet ist und welche technischen Voraussetzungen für eine spätere Umsetzung erfüllt sein müssen. Die Untersuchung ergab, dass Standort und Bodenbeschaffenheit für einen Erdteich grundsätzlich geeignet erscheinen. Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass die Wasserverfügbarkeit der entscheidende Faktor ist. Da keine natürliche Wasserquelle vorhanden ist, muss jede Teichlösung unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Wasserversorgung, der Betriebskosten und der Nachhaltigkeit bewertet werden.

Auch alternative Lösungen wie ein Betonbecken wurden diskutiert. Eine endgültige Entscheidung konnte während des Einsatzes noch nicht getroffen werden. Die durchgeführten Bewertungen bilden jedoch eine tragfähige Grundlage für spätere Planungs- und Umsetzungsentscheidungen.

Schulungen nur dann, wenn die Grundlagen stimmen

Geplant war außerdem eine Schulung des Community Conservation Forum im Bereich Fischzucht. Diese Maßnahme wurde bewusst verschoben, weil die dafür erforderliche Infrastruktur – insbesondere die Teiche – noch nicht vorhanden ist und auch personelle Zuständigkeiten noch fehlen. Aus fachlicher Sicht war diese Entscheidung richtig: Schulungen entfalten ihren Nutzen erst dann, wenn die praktische Umsetzung überhaupt möglich ist. Deshalb lag der Fokus zunächst auf Analyse, Vorbereitung und Koordination.

Gute Zusammenarbeit im Tandem mit einem Junior-Experten

Ein besonders positiver Aspekt des Einsatzes war die Zusammenarbeit im Tandem mit einem Junior-Experten im Rahmen des Deutsch-Afrikanischen Jugendwerks. Der fachliche Austausch, die gemeinsame Reflexion und das interkulturelle Lernen haben die Qualität des Einsatzes gestärkt. Solche Tandem-Ansätze schaffen einen echten Mehrwert – sowohl für die Projektarbeit als auch für die persönliche und fachliche Weiterentwicklung aller Beteiligten.

Was ich aus dem Einsatz in Lesotho mitgenommen habe

Der Einsatz hat erneut gezeigt, dass nachhaltiger Naturschutz weit mehr braucht als rein technische Lösungen. Erfolgreiche Projekte entstehen dort, wo biologische Fragestellungen, Infrastruktur, lokale Verantwortung und institutionelle Zusammenarbeit zusammengedacht werden. Besonders deutlich wurde, dass Kapazitätsaufbau nur dann wirksam ist, wenn organisatorische Zuständigkeiten, technische Voraussetzungen und langfristige Perspektiven vorhanden sind.

Ebenso wichtig war die Erkenntnis, dass starke Netzwerke entscheidend sind. Der Austausch mit Behörden, lokalen Gruppen, möglichen Partnern und weiteren Akteuren kann wesentlich dazu beitragen, Schutzprojekte langfristig tragfähig zu machen. Genau darin liegt für mich ein zentraler Wert solcher Einsätze: im Teilen von Wissen, im gemeinsamen Lernen und in der Entwicklung realistischer Perspektiven unter konkreten Bedingungen.

Ausblick

Mein Einsatz für TED in Lesotho hat eine gute Grundlage für weitere Schritte im Schutz des Maloti Minnow geschaffen. Das Projekt verfügt über engagierte Beteiligte und eine erkennbare fachliche Relevanz. Entscheidend wird nun sein, die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Folgeaktivitäten zu überführen, technische und organisatorische Voraussetzungen weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit mit relevanten Stellen weiter zu stärken.

Gerade in internationalen Projekten zeigt sich immer wieder: Nachhaltige Entwicklung braucht keine schnellen Versprechen, sondern gute Vorbereitung, realistische Ziele und verlässliche Partnerschaften. Genau darin sehe ich auch den Wert meines SES-Einsatzes in Lesotho.

Quellen und weiterführende Links

Projekt- und Partnerseiten

Fachliche und inhaltliche Quellen